
Wann hast du das letzte Mal einen Faulenzertag eingelegt?
Wann hast du das letzte Mal einen Faulenzertag eingelegt?
Über die Kunst, einfach mal nichts zu müssen – und warum freie Zeit nicht immer sinnvoll genutzt werden muss.
Wann hast du das letzte Mal einen ganzen Tag verbracht, ohne etwas erledigen zu müssen? Ohne To-do-Liste, ohne Termine und ohne das Gefühl, die Zeit unbedingt sinnvoll nutzen zu sollen?
Gar nicht so einfach, oder?
Wir leben in einer Zeit, in der beinahe jede freie Minute verplant ist. Selbst am Wochenende möchten wir möglichst viel unternehmen, erleben oder erledigen. Und wenn wir dann tatsächlich einmal nichts tun, meldet sich nicht selten das schlechte Gewissen.
Dabei kann es unglaublich wohltuend sein, einfach einmal in den Tag hineinzuleben.
Nichtstun ist keine Zeitverschwendung
Faulenzen hat einen etwas zweifelhaften Ruf. Es klingt nach Trägheit, fehlender Motivation oder verlorener Zeit.
Doch vielleicht sollten wir das Nichtstun einmal aus einer anderen Perspektive betrachten.
Wer ständig beschäftigt ist, braucht auch Momente, in denen nichts erwartet wird. Keine Leistung, kein Ergebnis und kein weiterer Punkt, den man auf einer Liste abhaken kann.
Auch die Forschung beschäftigt sich mit der Bedeutung von Erholung. Studien zeigen, dass es für unser Wohlbefinden wichtig ist, sich in der Freizeit gedanklich von der Arbeit lösen zu können.
Und manchmal ist das genau die Herausforderung: nicht körperlich zur Ruhe zu kommen, sondern im Kopf.
Wenn der Kopf wieder Platz bekommt
Kennst du das? Du grübelst lange über eine Idee oder eine Entscheidung nach, findest aber einfach keine Lösung. Und plötzlich, beim Spazieren, Kochen oder unter der Dusche, ist sie da.
Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass einfache Tätigkeiten, bei denen unsere Gedanken abschweifen dürfen, kreatives Problemlösen unterstützen können.
Wir müssen also nicht ständig konzentriert an einer Aufgabe arbeiten, um voranzukommen.
Manchmal entsteht gerade dann etwas Neues, wenn wir uns gedanklich mit etwas ganz anderem beschäftigen.
Wobei ein Faulenzertag natürlich auch einfach nur ein Faulenzertag sein darf – ganz ohne kreative Erkenntnis am Ende.
Die Kunst, sich nichts vorzunehmen
Vielleicht beginnt ein solcher Tag damit, den Wecker ausgeschaltet zu lassen.
Lange frühstücken, noch ein wenig lesen, Musik hören, einen Spaziergang machen oder auf dem Sofa liegen und einen Film anschauen.
Vielleicht hast du Lust, etwas Gutes zu kochen, mit Freunden zusammenzusitzen oder einfach aus dem Fenster zu schauen.
Es gibt keine Regeln.
Und vor allem gibt es keinen Grund, ausgerechnet die freie Zeit wieder mit einem perfekten Programm zu füllen.
Wer sich einen ganzen Tag nicht vorstellen kann, beginnt mit einem Nachmittag oder ein paar Stunden.
Das Einzige, was auf dem Programm steht: nichts muss, alles darf.
Kleine Dinge, die solche Momente besonders machen
Manchmal sind es die einfachen Dinge, die eine Auszeit besonders angenehm machen.
Eine weiche Wolldecke, eine Tasse Tee, ein gutes Buch oder das warme Licht einer Kerze.
Wir mögen Gegenstände, die uns im Alltag begleiten und an denen wir lange Freude haben. Nicht, weil wir sie unbedingt brauchen, sondern weil sie kleinen, unscheinbaren Momenten eine besondere Qualität geben können.
Vielleicht ist das auch ein schöner Gedanke für den nächsten freien Sonntag: Es braucht nicht immer ein besonderes Erlebnis, um einen Tag in guter Erinnerung zu behalten.
Manchmal reicht es, ihn einfach geschehen zu lassen.
Und wann hast du dir zuletzt erlaubt, nichts zu tun?
Weiterführende Informationen
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Sonnentag, Cheng & Parker (2022): Recovery from Work – Advancing the Field Toward the Future. Wissenschaftlicher Überblick über Erholung während Pausen und in der Freizeit.
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Baird et al. (2012): Inspired by Distraction – Mind Wandering Facilitates Creative Incubation. Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Gedankenabschweifen bei einfachen Tätigkeiten und kreativem Problemlösen.

